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Wo kommen wir denn da hin?

Nicht nur hinlegen – auch aufstehen!

Ob als smart mob mit der klaren Aussage „Die Pflege liegt am Boden“, als Junge Pflege aus dem Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe oder als engagierter Zusammenschluss lokaler Pflegedienste – niemand kann übersehen, dass eine neue Generation von Pflegenden am erwachsen und erwachen ist. Auch in der jüngsten Ausgabe der kma pflege wurde dieses neue berufspolitische Bewusstsein bereits thematisiert. Doch wohin mit all dem Engagement? Und was sind die Fallstricke, die dabei drohen?

Zunächst lohnt es sich, einen Blick darauf zu werfen, was wir wollen – und was nicht. Es freut mich, dass der Begriff „flash mob“ durch „smart mob“ ersetzt wurde, wenn sich die Pflege in, mittlerweile kann man sagen, schöner Regelmäßigkeit auf den Boden legt, um auf die Missstände verfehlter Krankenkassenpolitik, unzureichender gesellschaftlicher Würdigung und massiven Personalmangels aufmerksam zu machen. Diese Anliegen sind so richtig und notwendig, dass die Pflege es nicht nötig hat, sich als „flash mob“ bezeichnen zu lassen. Bei so etwas geht es nämlich nicht um Inhalte.

Auch hat es mich sehr gefreut, dass engagierte Pflegedienste in Bremen im vergangenen Jahr viele ihrer Kolleginnen und Kollegen dafür gewinnen konnten, eine Kampagne ins Leben zu rufen, die sehr schnell die Grenzen des Erwartbaren gesprengt hat.

Dieses hohe Engagement hat jedoch seine Tücken. Wo keine Ziele klar sind, kann auch wenig Konkretes erreicht werden. Da unterscheiden sich politische Prozesse nicht von einer Pflegeplanung. Vor allem anderen braucht die Pflege daher eine klare Zielsetzung, was mit diesen Aktionen erreicht werden soll.

Es ist leicht, auf „die Politik“ und „die Politiker“ zu schimpfen. Meiner Erfahrung nach sind Politiker nicht verärgert, sondern dankbar, wenn man ihnen sagt, was man von ihnen will. Man vergisst nämlich leicht, dass man auch von Politikern, die für den Gesundheitsbereich zuständig sind, nicht unbedingt erwarten kann, dass sie sich mit jedem Unterthema genauestens auskennen. Diese Leute brauchen unsere Hilfe.

Mittelfristig ist die Gefahr nämlich folgende: Politiker werden auf eine wachsende Bewegung aufmerksam. Es tut sich was in der Berufsgruppe, sogar an mehreren Stellen. Nun würden Politiker gerne wissen, was sie tun können. Und wenn eine Bewegung dann ziellos ist, können wir uns auf den Kopf stellen und mit den Füßen wackeln: Wer nicht sagen kann, was er will, der bekommt auch selten das, was er will.

Und dann? Tut sich ja eh nix. Enttäuschung macht sich breit, und wehe, jemand kommt dann noch mal mit einer Idee zum Engagement. Also, bitte, liebe Smartmobber, achtet darauf, dass ihr Euer Engagement immer auch mit Inhalten verknüpft. Ich persönlich will kein Mitleid, sondern Respekt.

Also, wenn Ihr Euch das nächste Mal auf den Boden legt (Und ich wünsche Euch allen, dass das noch so lange anhält, bis man dabei nicht mehr frieren muss), dann vernachlässigt dabei nicht, die Aufmerksamkeit, die Ihr dadurch bekommt, für konkrete Ziele zu nutzen.

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Ein Kommentar zu “Nicht nur hinlegen – auch aufstehen!

  1. Guy Hofmann
    Januar 30, 2014

    „Gut gebrüllt Löwe!“ – Ja genau. Pflege am Boden kann nur ein Anfang sein für ein Erwachen aus Verzagtheit, Resignation, Passivität und Opferhaltung. – Der Pflege eine Stimme geben beinhaltet auch Verantwortung zu übernehmen für unsere pflegerischen Inhalte. Als Menschen in einem Personen-Bündnis, als beruflich Pflegende, als Pflegende Bürger in dieser Gesellschaft, die immer mehr Pflege brauchen wird.

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Dieser Eintrag wurde am Januar 29, 2014 von veröffentlicht.
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