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Wo kommen wir denn da hin?

Dabei sein ist alles: Spahn plant die Präsenzkraftisieriung der Pflege

Jens Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU, hat erste Pläne vorgestellt, wie die zusätzlichen Einnahmen aus der Pflegeversicherung eingesetzt werden können. Leider setzt sich die konsequente Linie, unbeholfen die größten Löcher zu stopfen, in diesen Vorschlägen fort. Von einer zukunftsweisenden Lösung sind diese Pläne noch meilenweit entfernt.

Angehoben werden soll der Personalschlüssel in stationären Einrichtungen – das klingt verlockend. Allerdings ist damit nicht die Fachpersonalbesetzung gemeint, sondern die Besetzung mit Präsenzkräften, die das Fachpersonal entlasten sollen. Ein kleiner Unterschied im Wortlaut, ein gewaltiger Unterschied in der Bedeutung.

Denn das widerspricht ganz signifikant den Zielen, die die Bundesregierung ausgegeben hat, nämlich die Versorgungssituation insbesondere von Menschen mit dementiellen Erkrankungen zu verbessern. Das ist ein hehres Ziel, angesichts der absehbaren Entwicklung auch dringend notwendig. Nur eines ist dabei unlogisch: Steigender Pflegebedürftigkeit mit immer niedrigschwelligerer Qualifikation zu begegnen, untergräbt die gesamte Zielsetzung. Und zwar vollkommen. Das ist in etwa so, als würde man bei sinkenden Temperaturen immer weniger anziehen, damit sich die Kälte möglichst gleichmäßig auf die Körperfläche verteilt. Nur damit die Hände entlastet sind.

Nein, es ist leider nicht so, dass viel auch viel hilft. Pflege ist nicht Olympia, und dabei sein ist nicht alles. Entscheidend für die zukünftige Versorgung steigenden Pflegebedarfs ist eine steigende Anzahl an Fachpersonal. Pflegebedürftigkeit ist keine Spielwiese, wo man mal dies und jenes ausprobiert. Pflegebedürftigkeit ist keine Pi-mal-Daumen-Angelegenheit, sondern bedeutet einen Bedarf an fachlich qualifizierter Versorgung. So lange Pflegebedürftigkeit noch nicht neu definiert ist, macht es erst recht keinen Sinn, Löcher zu stopfen, ohne dabei das notwendige Fachwissen mit einzubeziehen. Und es ist leider ein Irrglaube, dass es eine Unzahl „pflegeferner“ Tätigkeiten gibt, die einfach so weiterdelegiert werden können.

Diese Idee knüpft dann leider doch an die unsägliche Ära Bahr an: „In der Pflege kommt es vor allem auf die sozialen Kompetenzen an.“ So lange die absurde, diskriminierende und diffamierende Vorstellung vorherrscht, nett sein würde reichen, um pflegen zu können, so lange werden solche Ideen leider immer wieder durch die politische Landschaft geistern. Man kann Daniel Bahr für diese Aussage gar nicht genug… ja, was soll man ihm da wünschen? Mehr nett vom brutto?

Es sieht so aus, als würde die Pflege noch lange auf dem Boden liegen bleiben.

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Dieser Eintrag wurde am Februar 20, 2014 von veröffentlicht.
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