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Wo kommen wir denn da hin?

Klage ins Abseits: Kammergegner finden keinen Platz in der Gründungskonferenz

Es war vielleicht der letzte verzweifelte Schritt, aber gebracht hat er nichts: Der „Arbeitgeberverband Pflege“ darf nicht von innerhalb der Gründungskonferenz zur Errichtung einer Pflegekammer in Rheinland-Pfalz beeinflussen, ob und wie sich die Pflege verkammert.

 Es wäre auch komisch gewesen, wäre das Verwaltungsgericht Mainz zu einem anderen Urteil gekommen. Man kann gegen die Verkammerung sein. Man mag dafür wirtschaftliche Argumente auf Makroebene anführen (Die Arbeitgeber befürchten eine finanzielle Mehrbelastung dadurch, dass sich Pflegepersonal auf dem aktuellen Stand fachlichen Wissens halten muss), auch auf Mikroebene (Dass Mitgliedskosten noch überhaupt nicht seriös vorhergesehen werden können, ist Ursache für so manches bizarres Drohszenario: Selbst der Hamburger Senat hat vor einer repräsentativen Umfrage unter Pflegenden in den Raum gestellt, Leitungspersonal müsse einen mittleren zweistelligen Betrag pro Monat bezahlen, ohne sich dabei auf Quellen oder konkrete Forderungen von Befürwortern zu beziehen). Allerdings ist die Frage der Verkammerung keine Frage von Arbeitgeber und Arbeitnehmer, wenig Frage von Kosten und Nutzen, sondern vor allem eine Frage: Dürfen Pflegende ihre Tätigkeiten selbst verantworten?

Wer substantiell gegen eine Verkammerung ist, der hat in einer Gründungskonferenz dann einfach wenig zu suchen. Da wäre ein bisschen Selbsteinsicht dann nicht vollkommen fehl am Platz. Wer politische Ziele ablehnt, beteiligt sich an Entscheidungsfindungen. Aber wenn Entscheidungen getroffen sind und dann immer noch sabotiert werden, dann braucht sich niemand zu wundern, wenn er dann erst recht nicht mitspielen darf. Da drängt sich ein bisschen der Vergleich zu Bernd Stromberg auf: Populistisch maulend gegen alles sein, und gleichzeitig jedem in den Rücken fallen, der sich davon ködern lässt. Und dann plärren, wenn man zugucken muss, wie andere die Sandburg bauen.

Es lohnt sich allerdings, mal genauer hinzusehen, wer hinter diesem „Arbeitgeberverband Pflege“ steckt. Die selbst genannten Zahlen sind ja bemerkenswert: 30 Unternehmen, die 50.000 Pflegende, nein halt, Mitarbeiter vertreten. Bemerkenswert dabei aber auch, dass ein ehemaliger Mitarbeiter eines dieser Unternehmen, ein ungelernter Pflegehelfer aus Berlin, derzeit vor Gericht steht, weil er eine Bewohnerin verbrüht hat. Noch bemerkenswerter allerdings ist, dass solche Verbände nach wie vor die unfassbare Unseriosität besitzen, nicht haltbare Unterstützerzahlen aufzurufen. Anderes war aber auch nicht zu erwarten, wo der bpa mitwirkt.

Noch mal extra betont: „Mitarbeiter“ heißt mehr als „Pflegende“ – Verwaltungs- und Küchenpersonal darf bei der Verkammerung der Pflege beruhigten Gewissens ausgeklammert werden. Arbeitgeberverbände vertreten auch nicht die Interessen von Arbeitnehmern – auch wenn sie das subtil andeuten wollen. Und mittelbare „Mitgliedschafts“zahlen sind schon lange keine ernstzunehmende Belastbarkeit für die eigene Bedeutung. Auch mit immer weiter aufgeblähten Zahlen erreicht man nicht immer und unbedingt, was man will. Das Ganze ist halt mehr als die Summe aller Einzelteile.

Bitter ist das vor allem für diejenigen, die sich argumentativ gegen die Verkammerung der Pflegeberufe wenden: Das Konstrukt, das ihre Argumente vor der Entscheidungsfindung vertreten hat, hat sich durch überhöhte Aggressivität selbst ins Abseits manövriert. Statt jetzt noch inhaltlichen Einfluss nehmen zu können, wird es jetzt auch von außerhalb schwer werden, die Ausgestaltung der Pflegekammer in Rheinland-Pfalz noch mit zu beeinflussen. Die Kampagne mit dem Placebo war nämlich wirklich nicht hilfreich.

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Ein Kommentar zu “Klage ins Abseits: Kammergegner finden keinen Platz in der Gründungskonferenz

  1. guyhofmann
    Februar 22, 2014

    Danke für diesen Bericht. – Und das ist auch ein weiterer Grund, warum sich Pflegende immer wieder als „Stimm-Vieh“ missbraucht fühlen. Zurecht! – Denn mit noch dazu fragwürdigen Mitarbeiter-Zahlen herumzuwedeln, deren Zustimmung nach Gutsherrenart einfach vorausgesetzt wird und damit seine eigenen Positionen durchzudrücken ist einfach nicht zeitgemäß. – Die andere Hälfte des Problems ist aber auch, dass sich die vielen mitarbeitenden Pflegenden nicht anderweitig zeigen, politischen Willen ausdrücken und ihre Interessen beginnen zu vertreten. – In der Opferrolle zu verharren, sich gegenseitig die Kitteltaschen vollzujammen hilft da nicht weiter. – Hören wir Pflegenden doch endlich damit auf, uns gegenseitig zu Seelen-Mülleimern zu machen!

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Dieser Eintrag wurde am Februar 22, 2014 von veröffentlicht.
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