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Wo kommen wir denn da hin?

Euer Gejammer kotzt mich an – Wer sich nicht organisiert, hat auch kein Recht, zu plärren!

Was hat das überhand genommen in den letzten Monaten, dieses Gejammere und Geheule, dass bauchgefühlt in letzter Zeit alles immer schlimmer wird. Facebook hat das Schwesternzimmer abgelöst, wenn es darum geht, WO gejammert wird – dafür ist es lauter geworden, weil das dauernde Rabääh! dort auf ein viel größeres Echo stößt. Ich finde das peinlich und abstoßend. Würde ich so etwas lesen, für so einen Beruf würde ich mich sicher nicht entscheiden.

 

Bemerkenswertes ist da zu lesen – Mehr Wertschätzung, bitte!!!! Und zwar abwechselnd mal für jede Randgruppe, von Helfern über Schüler bis hin zu den Fachkräften. Ja, die sind auch eine Randgruppe, wenn man solche netten Spruchbildchen liest:

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Und bitte, noch mehr Wertschätzung! Wie genau sie aussehen soll, das sagt keiner. Es geht auch gar nicht um Wertschätzung gegenüber der Berufsgruppe, die da stattfinden soll. Es geht um schiere, egoistische Wertschätzung zur geistigen Selbstbefriedigung. Schnell, ich krieg nicht genug Schultergeklopfe!

 

Dabei finde ich das eine ganz einfache Angelegenheit: Wer sich nur in irgendwelchen Facebook-Grüppchen organisiert, der hat kein Recht, sich zu beschweren. Wertschätzung sieht dann so aus, dass man mal dafür gelobt wird, was für einen schweren Job man doch macht. Achso, Schülerin im zweiten Ausbildungsjahr? Muss notgedrungen den Dienstplan abdecken und plötzlich die Schichtleitung übernehmen? Naja, loben  wir sie halt ein bisschen, dass sie so toll funktioniert. Wirkliche Wertschätzung würde für mich bedeuten, dass man ihr so etwas nicht antut, aber da denke ich wohl zu langfristig und zu kompliziert. Das appelliert ja auch nicht an das Bauchgefühl, dass in letzter Zeit alles immer schlimmer wird.

 

Nein, ehrlich mal: Die Spruchbildchen von wegen „beschissener Traumberuf“ und „Wir fühlen uns so blöd irgendwie“, die sind feige und rücksichtslos. Genau diejenigen, die solchen geistigen Dünnpfiff ins Netz stellen, sind nämlich genau diejenigen, die sich eben nicht bei ver.di, im DBfK oder sonst wo organisieren, damit sich daran mal was ändert. Daran, dass wir einen madigen Personal-Patientenschlüssel haben, für den es keine bundesweite Mindestvorgabe gibt, zum Beispiel. Daran, dass es keine Vorgaben gibt, wie oft Schüler und Praxisanleitungen gemeinsam Dienst haben müssen. Daran, dass Schüler flächendeckend Fachkräfte ersetzen und keine richtigen Schüler sein dürfen. Daran, dass anstrengende und verantwortungsreiche Arbeit vielleicht mal auch entsprechend bezahlt wird.

 

Stattdessen wird halt einfach mal in den Raum geplärrt. Und fragt man dann, weshalb diese Leute nirgends Mitglied sind, heißt es dann „Die tun ja nix“. Ah ja, sicher noch nie nachgelesen, was die so tun, aber dieses Internet, das tut sicher ganz viel dagegen. Es gibt Momente, da möchte ich die ganze Berufsgruppe Pflege einfach nehmen und an die Wand klatschen. Jeden Tag. Einfach nur, weil sie nicht kapiert, dass sie selbst schuld dran ist. Aber die Schuld bei anderen sucht, und ihnen damit auch noch die Macht über die Situation gibt.

 

Und das ist ziemlich beispiellos blöd. Das ist nämlich nicht nur feige, sondern auch rücksichtslos. Niemand scheint zu kapieren, dass dieses dauernde Genöhle die schlechteste Außendarstellung ist, die man sich überhaupt nur vorstellen kann. Und in etwa so effektiv, wie von einer Bockwurst abzubeißen und zu glauben, dass sich dadurch die Welt ändert. Nein, all denen, die da so groß auf Mitgefühl und Mitleid aus sind, geht es nicht im Geringsten darum, wirklich was zu ändern. Dann hätte man ja möglicherweise gar nichts mehr zu jammern, und das macht halt einfach so viel Spaß.

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Die schlechte Nachricht ist leider: Der Prinz auf seinem Einhorn, der auf die Station geritten kommt und fragt, wie wir’s denn gerne hätten – der kommt gar nicht. Und die Leute, die für Veränderungen verantwortlich sind – die lesen auf facebook gar nicht mit. Und die lassen sich auch nicht von irgendwelchen Denksprüchlein überzeugen.

 

Also lasst doch büdde mal das Geplärre so lange sein, bis ihr in einer Organisation Mitglied seid, die was für die gesamte Berufsgruppe tut und über Euer reichlich kleines Tellerrändchen der persönlichen Befindlichkeit auch mal rausblickt. Von deren Arbeit zu profitieren, aber nichts dazu beitragen zu wollen – das ist nämlich ziemlich selfish und zum Fremdschämen. Und kriegt von mir absolut keine Wertschätzung.

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Dieser Eintrag wurde am November 28, 2016 von veröffentlicht.

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